Archiv für Juni 2010

Irrsinn der Normalität – Zur Kritik des deutschen Nationalismus

Am kommenden Donnerstag, den 1.07.10, veranstalten wir eine Vortragsveranstaltung unter dem Motto „Irrsinn der Normalität – Zur Kritik des deutschen Nationalismus“ . Los geht’s um 18.30 im Café Klatsch.
Referieren werden Vertreter_Innen der Projektgruppe Nationalismuskritik aus Frankfurt.

Irrsinn der Normalität – Zur Kritik des deutschen Nationalismus

Angesichts der gerade dieser Tage übermäßigen Präsenz des in schwarz-rot-gold gewandeten Wahnsinns, wollen wir uns mit der Entstehung des aktuellen deutschen Nationalismus befassen.
Die Fußball-WM der Männer 2006 zeigte sich als nationale Massenzeremonie, die als vorläufiger Höhepunkt verschiedener Entwicklungen der letzten Jahrzehnte gelten kann, durch die sich der deutsche Nationalismus reartikulierte. Nun feierte Deutschland sich und seine selbst zugeschriebene Normalität.
Diese angebliche Normalität des nationalen Zusammenhangs gilt es als Irrsinn zu kritisieren. Im Vortrag geht es dabei um Fußball, aber auch um nationale Zeremonien wie den Eurovision Songcontest und den Zusammenhang von Nation und Geschlecht.

Flugblatt zum Bildungsstreik.

Freie Bildung, gutes Leben – kann’s nur ohne Deutschland geben!

Schule nervt!

Es ist gut und richtig, dass Schüler_Innen, allen voran das Bildungsbündnis Wiesbaden/Rheingau-Taunus, am 9. Juni wieder auf die Strasse gehen und Schulstreiken. Denn eine Kritik an Kontrolle, Konkurrenz, Zwang, Sanktionierung nonkonformen Verhaltens, Autoritarismus, Leistungszwang, sozialer Selektion und vorgesetzten Inhalten, also alle dem was Schule – die nur partiell Wert auf kritische Bildung, Vernunft und Humanismus legt und vielmehr versucht Formulierungen und Diskussionen von gesellschaftlichen Perspektiven, die über das Bestehende hinausreichen, zu vermeiden – ausmacht, ist zu begrüßen. Dass Schule so ist, wie sie ist, da wir in einer bürgerlich-kapitalistisch verfassten Gesellschaft leben, blenden die Bildungsstreikenden jedoch völlig aus. Eine Kritik an Schule oder Uni darf diesen gesellschaftlichen Kontext allerdings nicht verkennen und hat darzulegen, dass auch Schule, wie fast jeder Lebensbereich im Kapitalismus, vom Prinzip der maximalen ökonomischen Verwertung durchzogen ist – und sich somit nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet.

Der Staat und die Schule
Ein gutes Leben und eine gute Bildung gilt es sich gegen den Staat zu erkämpfen – und nicht, wie von den meisten Bildungsstreikenden propagiert, vom Staat zu erbetteln. Denn der Staat kann es nicht sein, der Forderungen wie „Stoppt den Einfluss der Wirtschaft auf die Bildung!“, nachkommt. Dieser hat schließlich ein Interesse daran, dass seine Ökonomie produktiv ist, so viele Menschen wie möglich lohnarbeiten und Kapital maximal verwertet wird, denn dies ist seine Existenzbasis. Nur so kann er sich per Steuern finanzieren und in der globalen Konkurrenz der Nationalstaaten ökonomisch und geopolitisch bestehen.
Damit dies gelingt, bildet er an seinen Bildungsinstitutionen Menschen für die Lohnarbeit aus. Dabei sollen möglichst kapitalproduktive, funktionierende und staatsloyale Arbeitskraftmonaden heraus kommen – dies ist die Basisfunktion der Schule und da macht es auch keinen Unterschied, welches Staatspersonal gerade regiert.
Wenn nun die Bildungsstreikenden die Ökonomisierung der Schulen und Unis kritisieren und sagen, dass die Bildung inzwischen zu einer Ware verkommen sei, verkennen sie diese immer vorhandene Funktion der Schule. Dem Gewaltmonopolisten geht es vor allem um die Produktion von Menschenmaterial, das es auf dem Markt zu vernutzen gilt. Insbesondere in Deutschland, das keine Rohstoffe besitzt, ist das Humankapital von besonderer Bedeutung.

Für etwas Besseres als ein Leben im falschen Ganzen!

Wir hingegen wollen nach der Schule nicht dazu gezwungen sein, bis zur Rente unsere Arbeitskraft für Deutschland und seine Position in der globalen Staatenkonkurrenz zu verkaufen und das dann auch noch für einen beschissenen Lohn – individuelles Glück und Freiheit sehen anders aus.
Wenn nun also beim Bildungsstreik Reformen und eine bessere und nicht eine andere Bildung gefordert werden, ist das nur im Interesse des Staates, seiner nationalistischen Standortlogik und der Unternehmen. Dabei sollte es doch darum gehen, für eine freie und kritische Bildung, zu der alle Menschen Zugang haben, einzustehen und dabei auch zu benennen, dass es diese nur ohne staatliche Herrschaft, dem kapitalistischen Verwertungsdiktat und dem Zwang zur Lohnarbeit, die durch die Technisierung der Produktionsmittel längst schon überflüssig geworden ist, geben kann. Unsere Kritik geht weit über das Bildungssystem hinaus. Das Ziel einer emanzipatorischen Gesellschaftskritik kann nur eine Gesellschaft, in der alle Menschen Zugang zum materiellen Reichtum haben und nach ihren Bedürfnissen – und nicht nach Kriterien der maximalen Kapitalverwertung – produziert wird, sein.

Deshalb: Kapitalismus abschaffen! Für eine befreite Gesellschaft!
Antifaschistische Jugendgruppe Wiesbaden
Web: http//:ajwbn.blogsport.de

„Deutschland wegballern!“ – Soliparty am 12.06. !

Am kommenden Samstag den 12.06.10 werden wir in Zusammenarbeit mit der Jugendantifa Frankfurt eine Soliparty unter dem Motto „Deutschland wegballern!“ machen.
Die Party richtet sich gegen die Männerfußballweltmeisterschaft und ihrer nationalen Inszenierung.
Los geht’s um 22.30 Uhr im Exzess in Frankfurt.
Kommt zahlreich, und zeigt, dass es bessere Gründe als Deutschland zum Feiern gibt.

Edit: Hier der Ankündigungstext der Jugendantifa Frankfurt

„Deutschland wegballern“
Unter diesem Motto findet 12.Juni ab 22:30Uhr eine Party in Café Exzess statt.

Im Sommer diesen Jahres findet wieder einmal die Fußballweltmeisterschaft der Männer statt, bei der alle Menschen die Möglichkeit haben, den Stolz auf ihre Nation unverkrampft auszuleben.
Bei diesem „Fest“ steht wie immer die eigene Nation im Vordergrund. Das bedeutet aber eine Abgrenzung von Anderen und festigt oder beschwört Feindseligkeit.
Gleichzeitig ist die Männer-WM der Nährboden für Anfeindungen gegenüber Menschen , die den klassisch-gesellschaftlichen Geschlechterrollen nicht entsprechen und für sexuelle Übergriffen.
Weil wir keine Lust auf „Nationen abfeiern“ haben wollen wir eine Party, die ganz ohne den WM-Kult, dafür aber mit viel Spaß, netten Menschen und einer hilfsbereiten Partymenge stattfindet.

Kein Bock auf Sexismus, Homophobie, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, autoritäre Strukturen und andere Diskriminierungsformen.
Aber Bock auf viele interessierte Leute, eine befreite Welt und eine schöne, durchtanzte Nacht.