ABGESAGT!12.03.//17.00 Uhr //Alte Synagoge am Michelsberg: Gedenkdemonstration gegen Antiziganismus

Schlechte Nachrichten.
Leider müssen wir die Demonstration am 12.03.2011 absagen. Es ist uns nicht leicht gefallen, aber auf Grund von Ausfällen in der Orga-Crew müssen wir diesen Schritt gehen. Wir wollen allen danken die gekommen wären und auch allen, die schon viel Arbeit in die Planung gesteckt haben. Wir werden das Thema auch weiterhin nicht aus den Augen verlieren. Es wird vermutlich eine Gedenkdemo im Mai für die deportierten Roma und Sinti aus Mainz geben, da sich im Mai der Tag der Deportation dieser jährt.
Wir wollen auch nochmal allen Referent_innen und Besucher_innen unserer Veranstaltungen danken!

Mit Antifaschistischen Grüszen
Das Bündnis der „Aktionswochen gegen Antiziganismus“

Als Abschluss der Aktionswochen gegen Antiziganismus in Mainz & Wiesbaden wird es am 12.03 eine Gedenkdemonstration, welche zum einen an die sich nun zum 68. Mal jährende Deportation von dutzenden Sinti & Roma aus Wiesbaden erinnern, aber auch den nach wie vor gesellschaftlich vorhandenen Antiziganismus thematisieren soll, geben.
Wir rufen zur Teilnahme auf und dokumentieren im Folgenden den Aufruf des Bündnises:

Am 08. März 1943 wurden Menschen, die von der Wiesbadener Bevölkerung als „Zigeuner“ bezeichnet wurden, mehrheitlich deutsche Roma und Sinti, nach Auschwitz deportiert und planmäßig ermordet. Diesem kollektiv verübten Verbrechen waren jahrelange Ausgrenzungen, diskrimierende Sondergesetze und tägliche Anfeindungen vorausgegangen.

Ihnen wollen wir anlässlich des 68.ten Jahrestags der Deportation mit einer Demonstration gedenken, auf die bis heute wirkenden Ausgrenzungsmechanismen gegen sogenannte „Zigeuner“ und die Folgen für die Betroffenen aufmerksam machen.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus blieb eine notwendige Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Rassismus, der den Massenmord ermöglicht hatte, aus. Erst in der jüngsten Vergangenheit rückt auch Antiziganismus in das Licht der Öffentlichkeit, doch noch immer fehlt es an Sensibilisierung und Aufklärung.
In der weissen Mehrheitsgesellschaft werden weiterhin jahrhundertealte Vorurteile und Stereotypen gegenüber Sinti und Roma akzeptiert und täglich reproduziert. Diese antiziganistischen Ressentiments reichen von romantisierten Klischees des „fahrenden Volkes“ und mystischen Vorstellungen eines „unangepassten“ Lebensstils, bis zu Unterstellungen von „kollektiver“ Kriminalität und „Schmarotzertum“ – Die tatsächliche Lebensrealität der Sinti und Roma hat mit all dem nichts zu tun.

Überall in Europa findet sich antiziganistische Diskriminierung. Sinti und Roma werden auf verschiedenen Ebenen benachteiligt. Ob nun in Bereichen sozialer Integration und Sicherheit, im Gesundheitswesen, auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt. Hinzu kommt, dass große Teile der Roma und Sinti permanent von Abschiebung bedroht sind und die Vorurteile ihnen gegenüber so weit verbreitet sind, dass politisches Aufbegehren der Betroffenen kaum Beachtung findet.Besonders deutlich wurde das in Berlin, als von antiziganistischem Rassismus betroffene Menschen eine Kirche besetzten, um auf ihre soziale Ausgrenzungen aufmerksam zu machen und daraufhin in den Medien durchweg als „Bettelrumänen“ bezeichnet und schließlich von Kirche und Obrigkeit in ein Asylbewerberheim gezwungen wurden. Ihre politischen Forderungen wurden ignoriert.

Der Rassismus gegenüber als „Zigeuner“ denunzierten Menschen gipfelt in lebensbedrohlichen Angriffen. So zum Beispiel im nordsächsichen Klingenhain, wo im Dezember 2009 das Wohnhaus einer Sinti-Familie komplett niederbrannte. Nur durch Zufall kam dabei niemand zu Schaden. Dem Brandanschlag gingen Steinwürfe und Anfeindungen aus der restlichen Dorfbevölkerung gegen die Familie voraus.
Im Oktober 2010 wurde im Ost-Deutschen Milmersdorf eine Zirkusfamilie von den Dorfbewohner_innen als „Zigeuner“ beschimpft und angegriffen. Schließlich mussten sie ihren Standort unter Polizeischutz abbrechen.
In Tschechien gehen deutsche und tschechische Neonazis gemeinsam mit teils militärischen Waffen in von Roma bewohnten Vierteln auf Menschenjagd. In Italien konnte der Bürgermeister von Genua sogar Verständnis für die Brandanschläge auf Roma-Unterkünfte aufbringen.