Flugblatt: „Lieb‘ doch wen du willst!“

Anlässlich des internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie haben wir ein Flugblatt mit dem Titel „Lieb‘ doch wen du willst!“ verfasst. Auch wenn es mit einem Flugblatt nicht möglich ist, alle theoretischen Aspekte der Homophobie zur erfassen, wollen wir uns damit eindeutig gegen Homophobie, Transphobie und Sexismus positionieren.

Hier das Flugblatt:

Lieb’ doch wen du willst.
Über Heteronormativität und die Diskriminierung von Homosexuellen .

Homophobie im Alltag.

Wenn es darum geht, den Kontrahenten mal so richtig zu diskreditieren und fertig zu machen, dann wird nicht selten zu homophoben, das heißt homosexuellenfeindlichen, Vokabular gegriffen. Denn nichts stellt eine defizitäre Männlichkeit besser dar als ein überzeugendes „du Schwuchtel!“ oder die einfache Bezeichnung als „Homo“. So etwas weiß man eben – auch in Deutschland, wo man doch normalerweise tolerant und weltoffen ist. Ohnehin sind solche vermeintlichen Beleidigungen , spricht man die agierenden Personen darauf an, nie ernst gemeint – man hätte ja gar nichts gegen Homosexuelle, wolle nur einen Spaß machen.
Dass aber der Gebrauch von homophoben Vokabular niemals lustig oder nicht „ernst gemeint“ sein kann, muss für emanzipierte Menschen, die eine Gesellschaft, in der jeder Mensch ohne Angst verschieden sein kann, anstreben, klar sein. So schafft auch die „nicht böse gemeinte“ Benutzung von homophoben Vokabular ein gesellschaftliches Klima, das vor allem Betroffenen homophober Gewalt – die sich eben nicht nur körperlich artikulieren muss – eine sexuelle Emanzipation versagt. Diese feste Verankerung von homosexuellenfeindlichen und abwertenden Sprachgebrauch, wie er täglich auf Schulhöfen, in der Uni oder sonst wo zu beobachten ist, deutet auf den homophoben Normalzustand dieser Gesellschaft hin.

Normalzustand?…

Heterosexuelle Normen und homophobe Ressentiments scheinen tief in den Köpfen der Menschen, wenn auch in subtilen Formen, verankert und lassen sich als ursächlich für homophobe Raserei betrachten, denn:
Jene heterosexuelle Normen, welche man bereits im Kindesalter durch gesellschaftliche Autoritäten wie Medien und Familie wahrnimmt, sind es, die oft eine Ursache bei der Konstruktion homophober Ressentiments und Stereotypen spielen und somit einer sexuellen Emanzipation im Wege stehen. Sie lassen davon ausgehen, dass ein gewisses (heterosexuelles) Verhalten für das jeweilige Geschlecht normal und natürlich sei, und assoziieren alles das, was davon abweicht als unnormal und nicht heterosexuell.
Während der männliche Habitus stets als hart, führend und unemotional zu gelten hat, sind gesellschaftliche Vorstellungen der Frau weich, liebevoll und emotional.
Hierbei wird jedoch verkannt, dass das Geschlecht neben einer biologischen immer auch eine soziale und kulturelle Kategorie darstellt, die Feministin Simone de Beauvoir also völlig Recht hatte, als sie sagte „man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ .
Geschlecht – und die damit verbundenen Normen – nimmt also auch eine identitätsstiftende Rolle für das Subjekt ein. So sind es erst gesellschaftliche Regulierungen und Normen, die den Menschen geschlechtlich bestimmen, ihm seine Rolle zuweisen.
Menschen, denen es um sexuelle Emanzipation geht, denen der Individualismus als Maßstab einer wahrhaft freien Gesellschaft erscheint können also vermeintlich naturgegebene Verhaltensweisen und Eigenschaften einzelner Geschlechter getrost als konstruiert zurückweisen.

Homophobie und Konkurrenz
Eine Studie des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer benannte aber auch „die Angst vor dem Absturz“ (taz) als ursächlich für homophobe Einstellungen in der Gesellschaft. Denn
in der warenproduzierenden Gesellschaft heißt es in der stetigen Konkurrenz um Kapitale täglich und immer wieder: jeder gegen jeden.
Menschen, die keine Produktionsmittel besitzen, bleibt nichts als ihre Arbeitskraft als Ware zu verkaufen um sich so materiell als auch gesellschaftlich reproduzieren zu können.
Lohnarbeit stellt also eine elementare Grundlage im Kapitalismus dar.
Ist diese Grundlage durch eine Verwertungskrise des Kapitals bedroht, so macht sich der „Angst vor dem Absturz“ (taz) breit. Anstatt jedoch nach einer vernünftigen Einrichtung der Gesellschaft, der die Bedürfnisse der Menschen als Maxim gilt, zu trachten, halten die Menschen lieber an staatlichen Autoritäten –erscheinen diese doch als Garant für das kapitalistische Hauen und Stechen und somit für die eigene Reproduktion – sowie an dem Hass auf Andere fest. Das nationale Kollektiv, das gegen gesellschaftliche Minoritäten aber auch andere, das eigene Leben gefährdende, Standorte in Stellung gebracht wird, erscheint als Möglichkeit „der ständig drohenden Vernichtung seiner Existenz im Falle der Nichtverwertbarkeit zu entgehen“ (Gruber/Ofenbauer).
Das „Wir und die Anderen“ spielt demnach auch bei der Konstruktion homophober Ressentiments eine Rolle, will man doch gesellschaftliche Gruppen unter sich sehen und somit einer Brandmarkung als Verlierer der Gesellschaft entgehen.

Normalzustand? Auflösen!
Es gilt sich also, möchte man tatsächlich eine Gesellschaft, in der die freie Entwicklung des Einzelnen die Voraussetzung der Freiheit Aller ist, erkämpfen, bewusst zu machen, dass es sich bei Geschlecht – und ergo auch bei Allem von ihm abweichenden – um Konstruktionen handelt, dass Ausgrenzungsmechanismen wie Homophobie und Sexismus nicht ohne einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Logiken zu verstehen sind.
Wir möchten, uns der Tatsache gewiss, dass Ursachen für Ausgrenzungsmechanismen mitnichten von Heute auf Morgen zu negieren sind, die befreite Gesellschaft eine weit entfernte Utopie darstellt, einen ersten Schritt gehen und für sexuelle Emanzipation kämpfen.

Homophobie bekämpfen – Für den Kommunismus!